{"id":8033,"date":"2026-03-20T08:00:00","date_gmt":"2026-03-20T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/?post_type=glossary&#038;p=8033"},"modified":"2026-04-10T14:11:54","modified_gmt":"2026-04-10T11:11:54","slug":"arbeitszeugnis","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/arbeitszeugnis\/","title":{"rendered":"Was ist ein Arbeitszeugnis? Definition &#038; Praxistipps 2026"},"content":{"rendered":"<p>Das <strong>Arbeitszeugnis<\/strong> ist im Schweizer Arbeitsrecht eine schriftliche Urkunde, die der Arbeitgeber f\u00fcr den Arbeitnehmer bei der Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses ausstellen muss. Es gibt detailliert Auskunft \u00fcber <strong>Art und Dauer der Besch\u00e4ftigung<\/strong> sowie \u00fcber die Leistungen und das Verhalten des Mitarbeitenden. F\u00fcr Arbeitnehmende ist es das <strong>zentrale Bewerbungsdokument<\/strong> bei der Stellensuche.<\/p>\n<p>[toc]<\/p>\n<h2>Arbeitszeugnis einfach erkl\u00e4rt<\/h2>\n<p>Im HR-Alltag ist die Zeugniserstellung eine wiederkehrende und heikle Aufgabe. Studien zeigen, dass in der Schweiz bei <strong>\u00fcber 40 % der qualifizierten Bewerbungen<\/strong> das Zwischen- oder Schlusszeugnis den finalen Ausschlag gibt \u2014 selbst nach einer <a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/elternzeit\"><strong>Elternzeit<\/strong><\/a>. Das Obligationenrecht (OR) legt f\u00fcr die Formulierung eines Arbeitszeugnisses fest, dass das Dokument <strong>wahrheitsgetreu<\/strong>, vollst\u00e4ndig und <strong>wohlwollend<\/strong> formuliert sein muss.<\/p>\n<p>Der Aufbau folgt in der Schweiz strengen Konventionen. Es beginnt mit den <strong>Personalien<\/strong>, gefolgt von einer detaillierten Auflistung der Pflichten. Danach folgen die Kernst\u00fccke: die Beurteilung der <strong>Leistung (Fachwissen)<\/strong> und des <strong>Verhaltens (gegen\u00fcber Vorgesetzten und Kunden)<\/strong>. Den Abschluss bildet der Beendigungsgrund (z.\u00a0B. <a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/aufhebungsvertrag\"><strong>Aufhebungsvertrag<\/strong><\/a> oder K\u00fcndigung) und die Schlussformel.<\/p>\n<p>Man unterscheidet in der Schweiz zwischen dem <strong>Vollzeugnis<\/strong> oder Schlusszeugnis (umfassende Beurteilung von Leistung und Verhalten), der <strong>Arbeitsbest\u00e4tigung<\/strong> (beschr\u00e4nkt sich auf Fakten) und dem <strong>Zwischenzeugnis<\/strong> (w\u00e4hrend der laufenden Anstellung, z.B. bei Chefwechsel).<\/p>\n<p><strong>Arbeitszeugnis vs. Referenzauskunft:<\/strong> Ein <strong>Arbeitszeugnis<\/strong> ist ein rechtsverbindliches Dokument, auf das ein gesetzlicher Anspruch besteht. Eine <strong>Referenzauskunft<\/strong> erfolgt m\u00fcndlich durch den ehemaligen Vorgesetzten gegen\u00fcber einem potenziellen Arbeitgeber, bedarf aber zwingend der <strong>vorherigen Einwilligung<\/strong> des Bewerbers.<\/p>\n<h2>Vorteile und Nachteile von Arbeitszeugnissen<\/h2>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>\u2705 Vorteile<\/th>\n<th>\u274c Nachteile<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Kandidatenauswahl:<\/strong> Sie bieten Schweizer KMU beim Rekrutieren einen <strong>Abgleich der fachlichen F\u00e4higkeiten<\/strong>.<\/td>\n<td><strong>Hoher Aufwand:<\/strong> Die korrekte Formulierung kostet Vorgesetzte und HR <strong>erheblich viel Arbeitszeit<\/strong>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Motivation:<\/strong> Die Aussicht auf ein gutes Zeugnis bewegt Mitarbeitende dazu, <strong>volle Leistung zu erbringen<\/strong>.<\/td>\n<td><strong>Zeugnissprache:<\/strong> Die stark verklausulierte Sprache (&#171;Codes&#187;) f\u00fchrt oft zu <strong>Fehlinterpretationen<\/strong>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Beweissicherung:<\/strong> Ein Zwischenzeugnis sch\u00fctzt vor dem Verlust von <strong>Leistungsnachweisen<\/strong>.<\/td>\n<td><strong>Konfliktpotenzial:<\/strong> Differenzen \u00fcber Formulierungen enden oft vor der <strong>Schlichtungsbeh\u00f6rde<\/strong>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Arbeitszeugnis in der Praxis: Tipps f\u00fcr Unternehmen<\/h2>\n<ol>\n<li>\n<p><strong>Uncodierte, klare Sprache verwenden<\/strong><br \/>\n   Das Schweizerische Bundesgericht hat sogenannte Zeugniscodes (versteckte, negative Botschaften) wiederholt f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt. Formuliere <strong>klar, transparent und offen<\/strong>. Wenn Defizite bestehen, formuliere diese sachlich, anstatt auf zweideutige Floskeln zur\u00fcckzugreifen. Dies senkt zudem das Risiko von zeitraubenden Nachbesserungsforderungen um <strong>bis zu 60 %<\/strong>.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Pflichtenhefte aktuell halten<\/strong><br \/>\n   Die h\u00e4ufigsten Fehler passieren bei der <strong>Aufgabenbeschreibung<\/strong>. Stelle sicher, dass die im Zeugnis aufgef\u00fchrten T\u00e4tigkeiten dem tats\u00e4chlichen Alltag entsprechen und nicht bloss vom alten Stelleninserat kopiert wurden. Lasse den Entwurf <strong>durch die F\u00fchrungskraft gegenlesen<\/strong>.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Schnelle Ausstellung garantieren<\/strong><br \/>\n   Gem\u00e4ss OR entsteht der Anspruch am letzten Arbeitstag. Werde als HR proaktiv und h\u00e4ndige das Vollzeugnis <strong>sp\u00e4testens in der Austrittswoche<\/strong> aus. Verz\u00f6gerungen blockieren den Mitarbeitenden bei der RAV-Anmeldung, was das <strong>Employer Branding<\/strong> deines Unternehmens sch\u00e4digt.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Warum ist ein Arbeitszeugnis f\u00fcr Unternehmen wichtig?<\/h2>\n<p>Trotz Digitalisierung bleibt das Arbeitszeugnis in der Schweiz das <strong>wichtigste formelle Auswahlinstrument<\/strong>. Es dokumentiert nicht nur <strong>Fachkompetenzen<\/strong>, sondern gibt Auskunft \u00fcber Teamf\u00e4higkeit und F\u00fchrungsverhalten \u2014 Aspekte, die f\u00fcr den <strong>kulturellen Fit in Schweizer KMU<\/strong> entscheidend sind. Das <strong>SECO<\/strong> betont regelm\u00e4ssig die Wichtigkeit transparenter Referenzdokumente f\u00fcr einen reibungslosen Arbeitsmarkt, bei dem j\u00e4hrlich <strong>\u00fcber 50.000 Arbeitszeugnisse<\/strong> ausgestellt werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr dich als Arbeitgeber birgt das Dokument ein <strong>Haftungsrisiko<\/strong>. Stellst du ein extrem positives Gef\u00e4lligkeitszeugnis aus (&#171;Weglobung&#187;), und der Mitarbeitende richtet beim neuen Arbeitgeber aufgrund mangelnder F\u00e4higkeiten einen Schaden an, kann der neue Arbeitgeber dich im Extremfall auf <strong>Schadenersatz verklagen<\/strong>.<\/p>\n<h2>H\u00e4ufig gestellte Fragen zum Arbeitszeugnis<\/h2>\n<h3>Wann verj\u00e4hrt der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis in der Schweiz?<\/h3>\n<p>Gem\u00e4ss <strong>Obligationenrecht (OR)<\/strong> verj\u00e4hrt der arbeitsrechtliche Anspruch auf die Ausstellung oder Berichtigung eines Arbeitszeugnisses erst nach <strong>10 Jahren ab dem Ende<\/strong> des Arbeitsverh\u00e4ltnisses.<\/p>\n<h3>D\u00fcrfen Krankheiten im Schweizer Arbeitszeugnis erw\u00e4hnt werden?<\/h3>\n<p>Grunds\u00e4tzlich nein, da dies das <strong>berufliche Fortkommen<\/strong> behindert. Eine Ausnahme gilt nur, wenn die Absenzen <strong>erheblich waren<\/strong> (z.B. ein halbes Jahr bei einer einj\u00e4hrigen Anstellung) und die Krankheit den eigentlichen <strong>K\u00fcndigungsgrund<\/strong> darstellt. Das Bundesgericht hat in mehreren Urteilen best\u00e4tigt, dass die <strong>Pers\u00f6nlichkeitsrechte<\/strong> des Arbeitnehmenden in diesem Bereich besonders gesch\u00fctzt sind.<\/p>\n<h3>Was bedeutet &#171;zur Zufriedenheit&#187; im Arbeitszeugnis?<\/h3>\n<p>In der Schweizer Zeugnissprache ist die Formulierung &#171;stets zu unserer vollsten Zufriedenheit&#187; die <strong>Bestnote (sehr gut)<\/strong>. Fehlt das Wort &#171;stets&#187; oder &#171;vollsten&#187;, deutet dies auf eine eher <strong>durchschnittliche Leistung<\/strong> (befriedigend) hin. HR-Fachleute sollten die <strong>Abstufungen<\/strong> genau kennen, um weder ungewollt zu gut noch zu schlecht zu bewerten.<\/p>\n<h3>Was ist der Unterschied zwischen Vollzeugnis und Arbeitsbest\u00e4tigung?<\/h3>\n<p>Das <strong>Vollzeugnis<\/strong> enth\u00e4lt neben den Fakten eine umfassende Bewertung von <strong>Leistung und Verhalten<\/strong> und ist das Standarddokument bei Austritt. Die <strong>Arbeitsbest\u00e4tigung<\/strong> beschr\u00e4nkt sich auf Art und Dauer der Besch\u00e4ftigung ohne jede Wertung. Arbeitnehmende k\u00f6nnen gem\u00e4ss OR jederzeit w\u00e4hlen, welche Variante sie w\u00fcnschen.<\/p>\n<h3>Kann ein Arbeitnehmer sein Arbeitszeugnis in der Schweiz anfechten?<\/h3>\n<p>Ja, der Arbeitnehmende kann eine <strong>Berichtigung<\/strong> verlangen, wenn die Bewertung nachweislich falsch oder unvollst\u00e4ndig ist. F\u00fchrt das Gespr\u00e4ch zu keiner Einigung, kann der Fall vor die <strong>Schlichtungsbeh\u00f6rde<\/strong> oder das Arbeitsgericht gebracht werden. Der Anspruch auf ein korrektes Zeugnis verj\u00e4hrt erst nach <strong>10 Jahren<\/strong>.<\/p>\n<h3>Wie wirkt sich eine Freistellung auf das Arbeitszeugnis aus?<\/h3>\n<p>Eine <strong>Freistellung<\/strong> darf im Zeugnis grunds\u00e4tzlich nicht negativ erw\u00e4hnt werden, da sie in der Schweiz h\u00e4ufig bei einvernehmlichen Trennungen vorkommt. Wichtig ist, dass die <strong>Leistungsbeurteilung<\/strong> den gesamten Besch\u00e4ftigungszeitraum bis zum Freistellungsbeginn abdeckt und keine L\u00fccke entsteht.<\/p>\n<h3>Darf ein Zwischenzeugnis vom Schlusszeugnis abweichen?<\/h3>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ja, allerdings nur bei <strong>nachweisbar ver\u00e4nderter Leistung<\/strong> seit dem Zwischenzeugnis. Weicht das Schlusszeugnis ohne sachlichen Grund erheblich ab, kann der Arbeitnehmende auf die <strong>Bindungswirkung<\/strong> des Zwischenzeugnisses verweisen und beim Arbeitsgericht eine Anpassung durchsetzen.<\/p>\n<h2>Verwandte Begriffe<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/altersvorsorge-betrieblich\"><strong>Altersvorsorge betrieblich<\/strong><\/a> \u2014 Austrittsthema, das parallel zum Zeugnis geregelt wird<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/arbeitszeitgesetz\"><strong>Arbeitszeitgesetz<\/strong><\/a> \u2014 Rahmen, innerhalb dessen die bewertete Arbeitsleistung erbracht wird<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/betriebliche-altersvorsorge\"><strong>Betriebliche Altersvorsorge<\/strong><\/a> \u2014 Pensionskassenanspr\u00fcche, die beim Austritt gekl\u00e4rt werden<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/mehrarbeit\"><strong>Mehrarbeit<\/strong><\/a> \u2014 Wird im Zeugnis oft als besondere Einsatzbereitschaft lobend erw\u00e4hnt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer Arbeitszeugnisse im Kontext des HR-Managements professionalisieren m\u00f6chte, findet im Ratgeber zu <a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist-hr-management\/\"><strong>HR-Management<\/strong><\/a> praxisnahe Ans\u00e4tze. F\u00fcr die Auswahl externer Partner bei der Arbeitnehmer\u00fcberlassung hilft der <a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/die-besten-anbieter-fuer-arbeitnehmerueberlassung-in-der-schweiz\/\"><strong>Vergleich der besten Anbieter in der Schweiz<\/strong><\/a> bei der Entscheidung.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Quellen: Schweizerisches Obligationenrecht (OR), Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (SECO), Bundesgerichtsentscheide (BGE). Dieser Artikel wurde von der Glow Careers Redaktion verfasst und gepr\u00fcft.<\/em><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"https:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"FAQPage\",\n  \"mainEntity\": [\n    {\n      \"@type\": \"Question\",\n      \"name\": \"Wann verj\u00e4hrt der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis in der Schweiz?\",\n      \"acceptedAnswer\": {\n        \"@type\": \"Answer\",\n        \"text\": \"Gem\u00e4ss Obligationenrecht (OR) verj\u00e4hrt der arbeitsrechtliche Anspruch auf die Ausstellung oder Berichtigung eines Arbeitszeugnisses erst nach 10 Jahren ab dem Ende des Arbeitsverh\u00e4ltnisses.\"\n      }\n    },\n    {\n      \"@type\": \"Question\",\n      \"name\": \"D\u00fcrfen Krankheiten im Schweizer Arbeitszeugnis erw\u00e4hnt werden?\",\n      \"acceptedAnswer\": {\n        \"@type\": \"Answer\",\n        \"text\": \"Grunds\u00e4tzlich nein, da dies das berufliche Fortkommen behindert. 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