{"id":8090,"date":"2026-04-17T08:00:00","date_gmt":"2026-04-17T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/?post_type=glossary&#038;p=8090"},"modified":"2026-03-24T13:23:21","modified_gmt":"2026-03-24T10:23:21","slug":"duale-ausbildung","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/duale-ausbildung\/","title":{"rendered":"Was ist Duale Ausbildung? Definition &#038; Praxistipps 2026"},"content":{"rendered":"<p>Die <strong>duale Ausbildung<\/strong> (in der Schweiz meist als berufliche Grundbildung oder Lehre bezeichnet) ist ein System, bei dem die Ausbildung von Jugendlichen parallel in einem Lehrbetrieb und in der Berufsfachschule stattfindet. Dieses Modell ist das R\u00fcckgrat der Schweizer Wirtschaft und sichert Unternehmen den gezielten Aufbau von qualifizierten Nachwuchskr\u00e4ften, die exakt auf die Anforderungen des lokalen Arbeitsmarktes vorbereitet werden.<\/p>\n<p>[toc]<\/p>\n<h2>Duale Ausbildung einfach erkl\u00e4rt<\/h2>\n<p>In der Unternehmenspraxis bedeutet die duale Ausbildung, dass theoretisches Schulwissen unmittelbar mit produktiver Arbeit im Betrieb verzahnt wird. Lernende verbringen typischerweise drei bis vier Tage pro Woche im Unternehmen, wo sie von erfahrenen Berufsbildnern angeleitet werden. An den verbleibenden ein bis zwei Tagen besuchen sie die Berufsfachschule, um berufskundliche F\u00e4cher und Allgemeinbildung zu erlernen. <\/p>\n<p>Gesteuert wird dieses System in der Schweiz durch die Verbundpartnerschaft von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt (OdA). Das interne <a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/personalmanagement\"><strong>Personalmanagement<\/strong><\/a> des Betriebs stellt sicher, dass der kantonale Bildungsplan eingehalten wird. Ein dritter Lernort sind die obligatorischen \u00fcberbetrieblichen Kurse (\u00fcK), in denen branchenspezifische Grundlagen vermittelt werden.<\/p>\n<p>Es gibt in der Schweiz rund 250 anerkannte Lehrberufe. Die klassische Lehre dauert drei bis vier Jahre und schliesst mit dem <strong>Eidgen\u00f6ssischen F\u00e4higkeitszeugnis (EFZ)<\/strong> ab. Zudem existiert die zweij\u00e4hrige Grundbildung, die zu einem Eidgen\u00f6ssischen Berufsattest (EBA) f\u00fchrt und sich besonders an praktisch begabte Jugendliche richtet. Nach der Lehre stehen den Fachkr\u00e4ften dank Berufsmaturit\u00e4t und Fachhochschulen alle akademischen Wege offen.<\/p>\n<p><strong>Duale Ausbildung vs. Schulische Ausbildung:<\/strong> Die Lehre im Betrieb bietet vom ersten Tag an einen Lohn, der zwar noch unter dem generellen <a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/durchschnittslohn\"><strong>Durchschnittslohn<\/strong><\/a> liegt, aber den Einstieg in die finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit erm\u00f6glicht. Eine rein vollschulische Ausbildung (beispielsweise an einer Informatikmittelschule oder Handelsmittelschule) beinhaltet meist nur kurze Betriebspraktika und hat oft einen theorielastigeren Fokus.<\/p>\n<p>Laut Angaben des Staatssekretariats f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) entscheiden sich in der Schweiz nach der obligatorischen Schulzeit konstant <strong>rund zwei Drittel aller Jugendlichen<\/strong> f\u00fcr eine berufliche Grundbildung.<\/p>\n<h2>Vorteile und Nachteile der dualen Ausbildung<\/h2>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>\u2705 Vorteile<\/th>\n<th>\u274c Nachteile<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Passgenaue Rekrutierung:<\/strong> Der Betrieb bildet junge Menschen exakt an den eigenen Maschinen und Prozessen aus.<\/td>\n<td><strong>Hoher Ressourceneinsatz:<\/strong> Die Betreuung durch interne Fachkr\u00e4fte bindet Arbeitszeit und verursacht direkte Kosten.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Hoher produktiver Nutzen:<\/strong> Bereits im zweiten und dritten Lehrjahr leisten die Lernenden wertvolle produktive Arbeit.<\/td>\n<td><strong>Abbruchrisiko:<\/strong> Eine Aufl\u00f6sung des Lehrvertrags bedeutet den Verlust der gesamten bisherigen Bildungsinvestitionen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Kulturelle Integration:<\/strong> Lernende verinnerlichen die Firmenkultur fr\u00fch und zeigen nach der Lehre eine enorm hohe Firmenloyalit\u00e4t.<\/td>\n<td><strong>Akademisierungstrend:<\/strong> Viele KMU haben zunehmend M\u00fche, gen\u00fcgend Schulabg\u00e4nger f\u00fcr handwerkliche Berufe zu finden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Duale Ausbildung in der Praxis: Tipps f\u00fcr Unternehmen<\/h2>\n<ol>\n<li>\n<p><strong>Schnupperlehren professionalisieren<\/strong><br \/>\nDie Schnupperlehre ist in der Schweiz das wichtigste Recruiting-Instrument. Biete strukturierte Schnuppertage an, bei denen Jugendliche nicht nur zuschauen, sondern aktiv kleine Aufgaben \u00fcbernehmen k\u00f6nnen (z.B. ein Werkst\u00fcck anfertigen). Ein exzellentes Schnupper-Erlebnis kann die <strong>Bewerbungsquote auf offene Lehrstellen oft verdoppeln<\/strong>.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Lernende als Botschafter einsetzen<\/strong><br \/>\nJugendliche h\u00f6ren lieber auf Gleichaltrige als auf das HR-Management. Lass deine aktuellen Lernenden den Betrieb auf Berufsmessen, in Schulklassen oder auf Social-Media-Plattformen wie TikTok repr\u00e4sentieren. Diese authentische Peer-to-Peer-Kommunikation wirkt wesentlich glaubw\u00fcrdiger als professionelle Hochglanzbrosch\u00fcren.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Karrierewege nach der Lehre aufzeigen<\/strong><br \/>\nZeige bereits im Bewerbungsgespr\u00e4ch auf, welche Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten (z.B. Berufspr\u00fcfung, H\u00f6here Fachpr\u00fcfung) der Betrieb nach Lehrabschluss unterst\u00fctzt. Das Signal, dass die Firma langfristig in die Karriere des jungen Menschen investiert, ist oft der entscheidende Faktor bei der Lehrbetriebswahl.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Warum ist die Duale Ausbildung f\u00fcr Unternehmen wichtig?<\/h2>\n<p>Der Schweizer Arbeitsmarkt leidet strukturell unter einem <strong>ausgepr\u00e4gten Mangel an Fachkr\u00e4ften<\/strong>, insbesondere in technischen, industriellen und pflegerischen Berufen. Der <strong>Fachkr\u00e4ftemangel-Index von Adecco<\/strong> belegt dies regelm\u00e4ssig. F\u00fcr Betriebe ist es extrem riskant und teuer, ihren Bedarf ausschliesslich \u00fcber <strong>externe Ausschreibungen oder Headhunter<\/strong> zu decken. Lehrbetriebe, die konsequent ausbilden, sichern ihre eigene <strong>Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/strong> ab. Sie bauen sich einen <strong>internen Talent-Pool<\/strong> auf, der die betrieblichen Standards verinnerlicht hat. Zudem belegen <strong>Studien des SBFI<\/strong>, dass sich die Investition in eine Lehre f\u00fcr die allermeisten Schweizer Betriebe bereits w\u00e4hrend der Ausbildungsdauer <strong>finanziell rechnet<\/strong> \u2013 der Nutzen der geleisteten Arbeit \u00fcbersteigt die Kosten.<\/p>\n<h2>H\u00e4ufig gestellte Fragen zu Duale Ausbildung<\/h2>\n<h3>Was kostet ein Lehrling das Schweizer Unternehmen?<\/h3>\n<p>Die Gesamtkosten umfassen den <strong>Lernendenlohn<\/strong>, die Kosten f\u00fcr das Betreuungspersonal (Berufsbildner) und Aufw\u00e4nde f\u00fcr <strong>\u00fcberbetriebliche Kurse (\u00fcK)<\/strong>. Laut <strong>Studien des SBFI<\/strong> amortisieren sich diese Kosten jedoch oft schon w\u00e4hrend der Lehrzeit: Der produktive Nutzen der Lernenden \u00fcbersteigt in den meisten Branchen die direkten Ausbildungskosten um <strong>etwa 10 % bis 15 %<\/strong>, wodurch die Ausbildung f\u00fcr Schweizer Firmen <strong>h\u00f6chst rentabel<\/strong> ist.<\/p>\n<h3>Welche Anforderungen gelten f\u00fcr Lehrbetriebe in der Schweiz?<\/h3>\n<p>Um Lernende ausbilden zu d\u00fcrfen, muss ein Betrieb eine <strong>kantonale Bildungsbewilligung<\/strong> einholen. Das <strong>Berufsbildungsamt<\/strong> des jeweiligen Kantons pr\u00fcft, ob die betrieblichen Einrichtungen modern genug sind und ob <strong>qualifizierte Berufsbildnerinnen oder Berufsbildner<\/strong> im Unternehmen angestellt sind, welche die fachliche Begleitung garantieren.<\/p>\n<h3>Wie lange dauert die berufliche Grundbildung?<\/h3>\n<p>Das Schweizer System kennt prim\u00e4r <strong>zwei Modelle<\/strong>: Die dreij\u00e4hrige oder vierj\u00e4hrige Lehre schliesst mit dem <strong>Eidgen\u00f6ssischen F\u00e4higkeitszeugnis (EFZ)<\/strong> ab. F\u00fcr praktisch begabte Jugendliche gibt es zudem die <strong>zweij\u00e4hrige Grundbildung<\/strong>, die zu einem <strong>Eidgen\u00f6ssischen Berufsattest (EBA)<\/strong> f\u00fchrt und den direkten Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert.<\/p>\n<h3>Welche Rolle spielen die \u00fcberbetrieblichen Kurse (\u00fcK)?<\/h3>\n<p>Die \u00fcberbetrieblichen Kurse stellen den <strong>dritten Lernort<\/strong> neben dem Betrieb und der Berufsfachschule dar. Sie dienen der Vermittlung von <strong>branchenspezifischen grundlegenden handwerklichen oder technischen Fertigkeiten<\/strong>, die ein einzelner Betrieb im Arbeitsalltag m\u00f6glicherweise nicht in der n\u00f6tigen Breite abdecken kann.<\/p>\n<h3>Darf ein Lehrvertrag in der Schweiz vorzeitig aufgel\u00f6st werden?<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend der <strong>Probezeit (ein bis drei Monate)<\/strong> k\u00f6nnen beide Parteien den Vertrag mit einer Frist von <strong>nur sieben Tagen<\/strong> aufl\u00f6sen. Nach der Probezeit ist eine K\u00fcndigung nur aus <strong>wichtigen rechtlichen Gr\u00fcnden<\/strong> (z.B. schwerer Vertrauensbruch oder ungen\u00fcgende Leistungen des Betriebs) m\u00f6glich, und das zust\u00e4ndige <strong>kantonale Amt<\/strong> muss zwingend informiert werden.<\/p>\n<h3>Wie hoch ist der Lohn f\u00fcr Lernende?<\/h3>\n<p>Es gibt in der Schweiz <strong>keinen gesetzlich fixierten Mindestlohn<\/strong> f\u00fcr Lernende. Die Entl\u00f6hnung richtet sich meist nach den Empfehlungen der jeweiligen Berufsverb\u00e4nde oder nach g\u00fcltigen <strong>Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen (GAV)<\/strong>. In der Praxis starten viele Lernende mit einem Lohn, der etwa <strong>10 % bis 20 % eines regul\u00e4ren Fachkr\u00e4fte-Einstiegslohns<\/strong> entspricht und sich mit jedem Lehrjahr steigert.<\/p>\n<h2>Verwandte Begriffe<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/employer-value-proposition\"><strong>Employer Value Proposition<\/strong><\/a> \u2014 Das Wertversprechen, um talentierte Schulabg\u00e4nger f\u00fcr den eigenen Betrieb zu begeistern<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/gratifikation\"><strong>Gratifikation<\/strong><\/a> \u2014 Ausserordentliche Boni, die oft auch bei erfolgreichen Lehrabschl\u00fcssen ausbezahlt werden<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist\/lohnfortzahlung\"><strong>Lohnfortzahlung<\/strong><\/a> \u2014 Die rechtliche Absicherung im Krankheitsfall, die auch f\u00fcr Auszubildende voll greift<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um junge Talente optimal in den Betrieb zu integrieren, ist nach Vertragsabschluss ein strukturierter Ablauf entscheidend, wie er im Leitfaden zum Thema <a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/was-ist-onboarding\/\"><strong>Onboarding<\/strong><\/a> beschrieben wird. Wer nach der eigenen Ausbildung noch zus\u00e4tzliche Experten f\u00fcr spezifische Vakanzen ben\u00f6tigt, findet in den strategischen Ans\u00e4tzen der <a href=\"https:\/\/glow-careers.ch\/blog\/personalgewinnung-die-besten-methoden-der-personalgewinnung\/\"><strong>Personalgewinnung<\/strong><\/a> erprobte Methoden, um das Team ideal zu erg\u00e4nzen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Quellen: Staatssekretariat f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS), Schweizerischer Gewerbeverband (SGV). Dieser Artikel wurde von der Glow Careers Redaktion verfasst und gepr\u00fcft.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Duale Ausbildung einfach erkl\u00e4rt: Das Erfolgsmodell der Schweizer Berufsbildung. 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