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Was ist die Berufsgenossenschaft? Definition & Praxistipps 2026

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Jonathan Glasow Autor
2 Min. Lesezeit
Was ist die Berufsgenossenschaft? Definition & Praxistipps 2026

Die gewerbliche Berufsgenossenschaft nach deutschem Vorbild existiert im Schweizer Sozialversicherungssystem nicht. An ihre Stelle tritt die obligatorische Unfallversicherung gemäss dem Unfallversicherungsgesetz (UVG), welche primär von der Suva (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) sowie von privaten Assekuranzen getragen wird, um Angestellte vor den Folgen von Arbeitsunfällen zu schützen.

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Berufsgenossenschaft (Schweizer UVG) einfach erklärt

Die Berufsgenossenschaft (in der Schweiz Unfallversicherung oder UVG genannt) ist der gesetzliche Träger im Arbeitsschutz, der Unfälle und Berufskrankheiten absichert. Im Schweizer HR-Alltag ist die Sicherstellung des betrieblichen Gesundheitsschutzes eine zwingende Grundvoraussetzung. Sobald ein Unternehmen Personal einstellt, muss es dieses gegen Arbeitsunfälle und Berufsrisiken versichern. Laut dem Schweizerischen Versicherungsverband (SVV) werden in der Schweiz jährlich über 800 000 Unfälle registriert, wofür die Prävention, die medizinische Rehabilitation und der Arbeitsschutz essenziell sind.

Die Funktionsweise des Systems ist zweigeteilt: Es gibt die Berufsunfallversicherung (BU), die Unfälle am Arbeitsplatz abdeckt, und die Nichtberufsunfallversicherung (NBU) für Unfälle in der Freizeit. Wer mehr als 8 Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber tätig ist, muss zwingend auch gegen NBU versichert werden.

Die Trägerschaft in der Schweiz ist ein Mischsystem. Für Betriebe mit erhöhten Risiken (wie Bau, Handwerk, Industrie) besitzt die staatliche Suva das Monopol. Dienstleistungsunternehmen (wie Banken, IT, Handel) können ihre UVG-Lösung frei auf dem Markt bei privaten Versicherungsgesellschaften abschliessen. Beide Träger setzen jedoch dieselben UVG-Minimalstandards um.

Unfallversicherung (UVG) vs. Krankentaggeld (KTG): Die obligatorische Unfallversicherung (UVG) deckt die Heilungskosten und zahlt ein Taggeld ausschliesslich bei Unfällen und anerkannten Berufskrankheiten. Die meist freiwillige Krankentaggeldversicherung (KTG) hingegen sichert den Lohnfortzahlungsanspruch des Mitarbeitenden, wenn dieser wegen einer normalen Krankheit (z. B. Grippe oder Burnout) arbeitsunfähig ist.

Vorteile und Nachteile der Unfallversicherung (UVG)

✅ Vorteile❌ Nachteile
Volle Heilungskosten: Das UVG bezahlt nach einem Unfall sämtliche Pflegeleistungen ohne Selbstbehalt oder Franchise für den Verunfallten.Lohnnebenkosten: Die Versicherungsprämien für die Berufsunfälle müssen zwingend zu 100 % vom Arbeitgeber bezahlt werden.
Arbeitssicherheit: Träger wie die Suva bieten KMU wertvolle Präventionsprogramme, um die Betriebsunfälle drastisch zu senken.Suva-Monopol: Handwerksbetriebe können sich nicht frei auf dem Markt umsehen und müssen die vorgegebenen Suva-Prämien akzeptieren.
Klarer Taggeldanspruch: Ab dem dritten Tag nach dem Unfall zahlt die Versicherung verlässlich 80 % des versicherten Lohns.Verwaltungsaufwand: Die Deklaration der Lohnsummen und das rasche Meldewesen bei Unfällen binden Ressourcen im HR.

Die Unfallversicherung in der Praxis: Tipps für Unternehmen

  1. Freiwillige UVG-Zusatzversicherung prüfen
    Das obligatorische UVG versichert Löhne nur bis zum gesetzlichen Maximum von 148.200 Franken (Stand 2024). Für Kader und Fachkräfte mit höherem Einkommen entsteht bei Unfällen eine gefährliche Deckungslücke. Schliesse eine UVG-Zusatzversicherung (UVG-Z) ab. Dies ist ein hochgradig attraktives Instrument im Recruiting, um Toptalente zu gewinnen.

  2. NBU-Prämien als Benefit übernehmen
    Gesetzlich gehen die Prämien für Freizeitunfälle (NBU) vollumfänglich zulasten der Arbeitnehmenden. Wenn du als Arbeitgeber diese NBU-Prämien freiwillig übernimmst, schenkst du deinem Personal jeden Monat mehr Netto vom Brutto. Das ist ein starkes, sofort spürbares Signal der Wertschätzung.

  3. Absenzen-Management etablieren
    Jeder Betriebsunfall muss dem Versicherer umgehend gemeldet werden. Führe interne Prozesse ein, damit Führungskräfte Verletzungen sofort ans HR weitergeben. Schnelle Krankmeldungen verhindern Rückfragen und sichern dem Verunfallten eine verzögerungsfreie Auszahlung der Taggelder.

Warum ist die Unfallversicherung (UVG) für Unternehmen wichtig?

Das Unfallversicherungsgesetz ist zwingendes Bundesrecht. Wer seine Mitarbeitenden nicht anmeldet, betreibt Schwarzarbeit und haftet im Falle eines Unfalls mit seinem privaten Firmenvermögen für die gesamten Heilungs- und Rentenkosten, was rasch in die Millionenhöhe gehen kann. Die Schweizerische Suva verzeichnet jährlich Behandlungskosten und Renten im Umfang von rund 5 Milliarden Franken.

Zudem hat ein professioneller Umgang mit dem Arbeitsschutz direkte Auswirkungen auf die Unternehmenskultur. Betriebe, die eng mit den Präventionsabteilungen der Versicherer zusammenarbeiten und in Arbeitssicherheit investieren, verzeichnen nachweislich weniger Betriebsunterbrüche. Ein sicheres Arbeitsumfeld ist heute ein elementarer Bestandteil eines authentischen Employer Brandings und senkt mittelfristig die tariflichen UVG-Prämien des Unternehmens.

Häufig gestellte Fragen zur Unfallversicherung

Ist die Unfallversicherung in der Schweiz obligatorisch?

Ja. Jeder Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmenden obligatorisch gegen Berufsunfälle (BU) und Berufskrankheiten zu versichern.

Wer bezahlt die Prämien für Nichtberufsunfälle (NBU)?

Die Prämien für Freizeitunfälle (NBU) gehen gesetzlich in der Regel zu 100 % zulasten des Arbeitnehmenden und werden vom Lohn abgezogen. Viele Schweizer Firmen übernehmen diese Kosten jedoch freiwillig als attraktiven Benefit.

Muss mein Unternehmen zwingend zur Suva?

Das hängt stark von der Branche ab. Industrie-, Bau- und bestimmte Gewerbebetriebe fallen unter das gesetzliche Suva-Monopol. Dienstleistungsbetriebe, Banken und reine Büros können ihren Unfallversicherer auf dem freien Markt wählen.

Was ist der Unterschied zwischen UVG und Krankenversicherung (KVG)?

Das UVG deckt ausschliesslich Unfälle und Berufskrankheiten ab, während das KVG für alle übrigen Erkrankungen zuständig ist. Bei einem UVG-Fall übernimmt der Versicherer die Heilungskosten vollständig ohne Franchise oder Selbstbehalt — ein erheblicher finanzieller Vorteil für den Arbeitnehmenden.

Wie werden die UVG-Prämien berechnet?

Die Prämien richten sich nach der Gefahrenklasse der Branche und der gesamten AHV-pflichtigen Lohnsumme des Betriebs. Unternehmen mit überdurchschnittlich wenigen Unfällen profitieren vom Bonus-Malus-System und können ihre Prämien um bis zu 25 % senken.

Was passiert bei einem Unfall im Homeoffice?

Unfälle im Homeoffice gelten als Berufsunfälle, sofern sie in direktem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen. Ein Sturz am Schreibtisch ist versichert, ein Unfall in der Küche während der Mittagspause hingegen fällt unter die Nichtberufsunfallversicherung (NBU).

Sind temporär Angestellte über die Suva versichert?

Ja, Temporärmitarbeitende sind über den Personalverleiher vollumfänglich UVG-versichert. Der Verleiher als formeller Arbeitgeber trägt die Prämien für Berufsunfälle, während die NBU-Prämien in der Regel vom Lohn des Temporärangestellten abgezogen werden.

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Wer die Unfallversicherung im Recruiting-Kontext einordnen möchte, findet im Ratgeber zu Social Media Recruiting Ansätze zur Fachkräftegewinnung in sicherheitsrelevanten Branchen. Für Maschinenbauunternehmen mit hoher UVG-Relevanz zeigt der Anbietervergleich für Personalvermittlungen, welche Dienstleister sich bewährt haben.

Quellen: Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG), Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Bundesamt für Gesundheit (BAG). Dieser Artikel wurde von der Glow Careers Redaktion verfasst und geprüft.

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