Methode

Was ist Job Sharing? Definition & Praxistipps 2026

Avatar photo
Jonathan Glasow Autor
2 Min. Lesezeit
Was ist Job Sharing? Definition & Praxistipps 2026

Job Sharing bezeichnet in der Schweiz ein Arbeitsmodell, bei dem sich zwei Angestellte (meist im Teilzeitpensum) eigenverantwortlich einen Vollzeitarbeitsplatz teilen. Dieses Tandem-Konzept ermöglicht hochqualifizierte Aufgaben in reduzierten Pensen.

[toc]

Job Sharing einfach erklärt

Im fortschrittlichen Schweizer Arbeitsmarkt durchbricht das Job Sharing die starre «100-Prozent-Präsenzkultur». Wenn Top-Talente aus familiären oder gesundheitlichen Gründen nur noch 50 % arbeiten wollen, degradiert das Management diese nicht zu Assistenten. Stattdessen übernehmen sie gemeinsam mit einem Partner die komplette Projektverantwortung.

Der grösste Unterschied zur herkömmlichen Teilzeit liegt in der Vertretungsregelung. Wenn Partner A im Urlaub weilt oder ausfällt, übernimmt Partner B nahtlos, sodass für den Kunden oder die Geschäftsleitung keine Unterbrechung entsteht. Dieses Konzept bündelt eine doppelte Portion Berufserfahrung an einem einzigen Schreibtisch.

Es gibt verschiedene Abstufungen: Beim Job Splitting werden die Aufgaben strikt in die Hälfte geteilt. Beim echten Job Pairing treffen beide jede Entscheidung gemeinsam. Gerade bei hochkarätigen Vakanzen, bei denen es in der Gehaltsverhandlung oder beim Dienstwagen oft um Nuancen geht, ist das Angebot eines Sharing-Modells für viele Fachkräfte viel mehr wert als ein reiner Lohnzuschlag.

Job Sharing vs. Teilzeitarbeit: Eine Teilzeitkraft führt ein isoliertes Aufgabengebiet. Wenn sie dienstags nicht da ist, bleibt die Arbeit liegen. Ein Job-Sharing-Tandem deckt zusammen die vollen 100 % der Stelle ab; der Arbeitsplatz ist kontinuierlich besetzt.

Gemäss Erhebungen der Fachhochschule Nordwestschweiz (HSLU) bieten in der Schweiz mittlerweile über 25 % der mittleren und grossen Betriebe Sharing-Modelle an, Tendenz stark steigend.

Vorteile und Nachteile des Tandem-Prinzips

✅ Vorteile (für Schweizer Firmen)❌ Nachteile (für Schweizer Firmen)
Sicherung von Know-how: Du hältst erfahrene Fachkräfte in der Firma, die sonst nach der Familiengründung komplett kündigen würden.Personelle Friktion: Stimmt die Chemie zwischen den beiden Partnern nicht, entstehen sofort fatale Reibungsverluste und Konflikte.
Permanente Besetzung: Das Projekt ist immer handlungsfähig, da sich das Tandem bei Absenzen gegenseitig abdeckt.Erhöhte Lohnnebenkosten: Zwei Arbeitsverträge bedeuten oftmals höhere Fixkosten (Infrastruktur, BVG-Verwaltung) für das HR.
Bessere Entscheidungen: Komplexe Probleme werden aus zwei unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet («Vier-Augen-Prinzip»).Informationsverlust: Ohne strukturierte, bezahlte Übergabezeiten fallen wichtige Kundeninfos oft zwischen Stuhl und Bank.

Job Sharing in der Praxis: Tipps für Schweizer KMU

  1. Die Kündigungs-Szenarien vorab regeln
    Kläre im Schweizer Arbeitsvertrag (OR), was passiert, wenn ein Sharer geht. Verhindere sogenannte Koppelungsklauseln (Partner B wird automatisch gekündigt, wenn A geht), da diese rechtlich extrem angreifbar sind. Biete stattdessen an, dass Partner B das Pensum temporär auf 100 % aufstockt, bis Ersatz gefunden ist.

  2. Überschneidungszeiten fixieren und bezahlen
    Das Tandem stürzt ab, wenn die Übergabe im Stress beim Anziehen der Jacke passiert. Plane zwingend einen halben Tag Überlappung (z.B. Mittwochvormittag) ein, an dem beide bezahlt im Büro sind, um Strategien abzugleichen. So sicherst du dir den maximalen Wissenstransfer.

  3. Dem Duo eine einzige «Stimme» abverlangen
    Für Aussenstehende (Kunden, Lieferanten) darf es keinen Unterschied machen, ob sie mit Partner A oder B sprechen. Verlange vom Tandem, dass sie mit einer gemeinsamen E-Mail-Adresse kommunizieren und in Projekten stets mit einer vereinten, abgestimmten Meinung auftreten.

Warum ist Job Sharing für Unternehmen wichtig?

In einer Wirtschaft mit eklatantem Mangel an Fachkräften ist Inflexibilität der grösste Feind des Unternehmenswachstums. Das Job Sharing erschliesst dem Schweizer Arbeitsmarkt das gigantische Potenzial hoch qualifizierter Teilzeit-Arbeitskräfte. Wer als Unternehmen dieses Modell (gerade im Top-Management) zulässt, präsentiert sich nicht nur als progressiv, sondern greift Talente ab, die bei konservativen Banken oder Industriebetrieben auf dem Abstellgleis landen würden.

Besonders für ambitionierte Schweizer KMU birgt das Modell grosse Chancen. Es ermöglicht den sanften Generationenwechsel: Ein 60-jähriger Senior teilt sich die Stelle mit einem 30-jährigen Junior. Wenn der Senior in fünf Jahren in Rente geht, ist der Nachwuchs bereits vollständig eingearbeitet. Es ist das intelligenteste und reibungsloseste Nachfolge-Management, das Betriebe implementieren können.

Häufig gestellte Fragen zum Job Sharing in der CH

Was besagt das Obligationenrecht (OR) zum Job Sharing?

Das Schweizer Obligationenrecht (OR) kennt keinen speziellen Paragrafen dafür. Rechtlich schliesst der Arbeitgeber mit jedem der beiden Partner einen völlig regulären Teilzeit-Arbeitsvertrag ab.

Haften die Partner solidarisch für Fehler des anderen?

Grundsätzlich nein. Jeder Arbeitnehmer haftet gemäss OR nur für seine eigene Arbeitsleistung und Sorgfaltspflicht. Verträge, die eine solidarische Haftung der Tandem-Partner vorsehen, gelten arbeitsrechtlich oft als sehr heikel.

Muss der verbleibende Partner bei Kündigung das Vollzeitpensum übernehmen?

Das hängt von den Vertragsklauseln ab (Koppelungsklauseln). Oft wird vereinbart, dass der Verbleibende das Pensum temporär aufstocken muss. Es ist jedoch unzulässig, den Verbleibenden automatisch zu entlassen, nur weil der Partner kündigt.

Kann Job Sharing auch in Führungspositionen (Kader) funktionieren?

Ja, das sogenannte Top-Sharing ist in der Schweiz stark im Kommen. Es erlaubt z.B. hoch qualifizierten Müttern oder Vätern, eine anspruchsvolle Management-Position im 60%-Pensum auszuführen, ohne die Karriere zu opfern.

Wie erfolgt die Aufteilung der Arbeitstage in der Praxis?

Das Team organisiert sich selbst. Beliebt ist das Split-Week-Modell: Partner A arbeitet Montag bis Mittwochmittag, Partner B von Mittwochmittag bis Freitag. Der Mittwoch dient als bezahlte Übergabezeit für den Informationsaustausch.

Ist Job Sharing in der Schweiz arbeitsrechtlich geregelt?

Das Schweizer Obligationenrecht (OR) kennt keinen eigenen Paragrafen für Job Sharing. Rechtlich schliesst der Arbeitgeber mit jedem Tandem-Partner einen separaten Teilzeit-Arbeitsvertrag ab, der den üblichen OR-Bestimmungen unterliegt. Koppelungsklauseln, die den Verbleibenden bei Kündigung des Partners automatisch entlassen, sind rechtlich sehr heikel und sollten vermieden werden.

Welche Vorteile bietet Job Sharing für die Work-Life-Balance?

Job Sharing ermöglicht es Fachkräften, anspruchsvolle Positionen in einem reduzierten Pensum auszuführen, ohne auf Verantwortung oder Karrierechancen verzichten zu müssen. Besonders für Eltern oder pflegende Angehörige bietet das Modell die Flexibilität, Beruf und Privatleben nachhaltig zu vereinbaren. Unternehmen profitieren gleichzeitig von höherer Mitarbeiterzufriedenheit und deutlich geringerer Fluktuation.

Verwandte Begriffe

  • Berufserfahrung — Das Tandem bündelt oftmals gezielt Seniorität und Juniorität an einem einzigen Schreibtisch
  • Gehaltsverhandlung — Eine Phase, in der Bewerber oft proaktiv die Möglichkeit zur Arbeitsplatzteilung einfordern
  • Job-Shadowing — Die Methode, bei der potenzielle Partner prüfen, ob die Chemie für ein zukünftiges Sharing stimmt

Das Anbieten flexibler Pensen ist das Aushängeschild erfolgreicher Personalstrategien, was im Beitrag zu modernen Mitarbeiterangeboten ausführlich diskutiert wird. Möchten Betriebe diese Strukturen vorab intern besprechen und abwägen, liefert das Konzept zum Jobangebot verhandeln die richtige Grundlage.


Quellen: Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), Schweizerischer Arbeitgeberverband, Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Dieser Artikel wurde von der Glow Careers Redaktion verfasst und geprüft.

Ähnliche Begriffe